Lehrgang mit Hanshi Patrick McCarthy in Haßloch

Wie schnell die Zeit doch vergeht. So schien es ja gerade erst gestern gewesen zu sein, als wir uns in Haßloch durch die 12 Motobu Kumite wühlten. Doch es ist bereits wieder ein ganzes Jahr vergangen und somit fanden wir uns vom 21.-22.05.2016 wieder zu einem offenen Karate-Semiar mit Hanshi Patrick McCarthy (9. Dan) im pfälzischen Haßloch ein.
Noch geschwächt vom Pad-Work-Friday und mit allerhand Blasen an den Füßen gesegnet, machten wir uns am Samstagmorgen zu sechst auf den Weg. Dank eingehaltener Lehrgangsrituale kamen wir pünktlich – na ja – eher überpünktlich, wie immer, an der Sporthalle in der Raiffeisenstraße an. Somit blieb noch etwas Zeit sich etwas zu stärken und alte Bekannte und Freunde zu begrüßen, bevor um zehn Uhr zur Tat geschritten wurde.

McCarthy Sensei begrüßte die große Anzahl angereister Karateka in gewohnt charmanter Art und stimmte uns auch gleich auf das Thema des ersten Lehrgangstages ein. Zurück zu den Wurzeln war das Motto, bzw. auch der Blick auf ein, in den letzten Jahren, eher vernachlässigtes Thema. Dank des Bubishi, welches in Ermangelung anderer historischer Aufzeichnungen, heutzutage auch gerne „Die Bibel des Karate“ genannt wird, wissen wir um den großen Einfluss des südchinesischen Kranichstils auf die Entwicklung des Karate. Vergessen wird jedoch, das auch die Mönchsfaust, welche sich durch wanderende Mönche im Süden Chinas etablierte und den dortigen regionalen Stilspezifika angepasst wurde, ebenfalls einen großen Teil zur weiteren Entwicklung auf Okinawa beitrug. Wir wissen heute das Funakoshi Gichins wichtigster Lehrer, Azato Anko, ein versierter Vertreter der Mönchsfaust war und das Karate von Funakoshi damit nachhaltig prägte. In praktischer Form widmeten wir uns im Laufe des Tages deshalb mit dem Prinzip des gleichzeitgen Abwehrens und Konterns, welches im Koryu Uchinadi vor allem im „Quadranten Drill (Uke-Waza)“ zur Anwendung kommt. Abgerundet wurde der erste Tag mit einem kurzen Ausflug in die Ne-Waza (Bodenkampf).

Den Abend verbrachen wir wie immer in geselliger Runde im mongolischen Restaurant, bei netten Gesprächen mit Freunden, Trainingspartnern und natürlich McCarthy Sensei selbst. Der Koryukan Fulda machte sich im Anschluss noch zu einer kurzen Nachtwanderung auf und ging bei der Suche nach dem Werwolf-Tempel fast im haßlocher Forst verloren ….. aber das ist eine andere Geschichte …..

Nachdem sich der erste Tag in der Praxis und Anwendung relativ offen gestaltete, ging es am Sonntag sozusagen ans Eingemachte. Kata stand auf dem Plan. Und hier ließ uns Sensei ein ganz besonders Schmankerl zuteil werden. Nachdem wir uns am Samstag ja hauptsächlich mit der Mönchsfaust beschäftigt hatten, ging es an Tag zwei zurück zum Kranich. Der Name der Kata ist Tsukinakaken (auf chinesisch Chuan Xin Zhong Quan), was auf Deutsch soviel wie „Durchstoßen der Mitte“ bedeutet. Sie kann direkt dem südchinesischen Kranichstil aus Yongchun zugeordnet werden. Die besondere Herausforderung lag hier vor allem in der Umsetzung der Prinzipien. Die Kata vereint in sich dynamische Spannung und Atmung, wie man sie aus dem Goju-Ryu kennt, mit den eleganten und schnellen Bewegungen des Kung-Fu. Für viele eine völlig neue Erfahrung und im Kern so tief, das an einem einzigen Tag vermutlich nur etwas an der Oberfläche gekratzt werden konnte, da zeitgleich auch direkt wieder an der Anwendung gearbeitet wurde.

Das Seminar endete wie immer mit vollen Köpfen und dem Gefühl, zwei Tage wieder am richtigen Ort gewesen zu sein. Wer McCarthy Sensei kennt weiß das er einen wirklichen Meister und Historiker des Karate gefunden hat. Symphatisch und ohne Starallüren, stets dankbar für die Chance sein Wissen weitergeben zu dürfen.

Wir sehen uns nächstes Jahr in Dresden.

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