Seminar mit Patrick McCarthy Hanshi in Dresden

Als ich am Freitagmittag des 14. Juni auf meine Wetter App schaute, lief es mir bereits den Rücken herunter. 32 Grad waren für das Wochenende angekündigt. Irgendwie scheint es zur Tradition zu werden, dass Seminare in Dresden mit extremen Wetterbedingungen einhergehen. Aber, da muss man halt durch.

Mit gänzlich anderer Besetzung machten wir uns in diesem Jahr auf in Richtung Sachsen. Drei völlig seminarunerfahrene Kohai begleiteten mich in diesem Jahr, aber ich hatte schon die Vorahnung das es lustig werden würde.

Wie immer fuhren wir bereits am Freitagmittag los um den Abend ruhig in Dresden ausklingen lassen zu können. Aber bereits hier gab uns das Wetter einen kleinen Vorgeschmack auf das was uns am Samstag erwarten würde. Ein langer Abend im Freien und eine anschließend fast unerträglich warme Nacht standen uns bevor. Das konnte auch das fast schon Hotelstandards entsprechende Hostel und die miauende Tür zum Badezimmer nicht wirklich wieder rausreißen. Aber auch das ging vorbei.

Gegen 09:30 Uhr trafen wir am Samstag schließlich in der Halle ein und unser erster Seminartag unter Extrembedingungen stand uns bevor. Kurz vor Trainingsbeginn kündigte Sensei an, dass es aufgrund der warmen Temperaturen auch ok sei, NO-GI zu trainieren. Blöd nur wenn man nichts anders als zwei Gi dabei hatte. Also hieß es letztendlich, schwitzen!

Am ersten Seminartag lehrte McCarthy Sensei die Kata Sōchin. Sie gehört in unterschiedlichen Versionen zum Lehrplan mehrerer Karate-Stile, zu denen diverse Ausprägungen des Shōrin-Ryū, Shitō-Ryū, und Shōtōkan-Ryū zählen. Kenwa Mabuni stellte die Sōchin in der Publikation „Karate-Dō Taikan“ aus dem Jahr 1938 erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vor und führte sie dabei auf den Meister Niigaki bzw. Aragaki zurück. McCarthy Sensei‘s Aragaki no Sōchin verweist auf diese Überlieferungslinie. Er lernte die Kata erstmals von seinem Lehrer Richard Kim.

Wie üblich begannen wir zunächst damit uns die unterschiedlichsten Anwendungen (Oyo) der Kata zu erarbeiten, bevor wir uns der Form selbst widmeten. Am Ende des ersten Seminartages waren alle Teilnehmer in der Lage die Kata sowohl in ihrer Solo-Form, als auch mit dem Partner wiedergeben zu können.

Nachdem wir uns am Abend dann im Brauhaus am Waldschlösschen stärkten und ein wenig Geselligkeit mit der KU-Family genossen hatten, entschied sich der Wettergott am Abend uns endlich etwas Abkühlung gönnen. Somit startete der zweite Seminartag weitaus entspannter.

Am Sonntag stand Bo-Jutsu auf dem Programm. Sensei unterrichtete die Kata Tokumine-No-Kon, welche er ebenfalls von Richard Kim lernte. Diese Form wurde jenseits üblicher Übertragungslinien durch das Wirken Kyan Chōtoku’s für das okinawanische Kobu-Jutsu bewahrt oder sogar gegründet. Sein Interesse an den Stock-Techniken eines gewissen Tokumine Pēichin führten Kyan Chōtoku zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die Insel Yaeyama. Dort erfuhr er der Legende nach vom Tod Tokumines, konnte jedoch dessen Techniken von einem Bekannten Tokumines erlernen.

Nachdem wir den gesamten Vormittag damit verbrachten die Form zu lernen bemühten wir uns am Nachmittag darum die Techniken mit dem Partner zu üben. Beim Peichin-Kumibo handelt es sich um einen Partnerdrill, welcher die gängigsten Templates verschiedenster Bo-Kata beinhaltet und so einen sehr umfassenden Eindruck des Kampfsystems des Yamane-Ryu Kobudo vermittelt.

 

 

Leider ging auch dieser Seminartag wieder viel zu schnell vorbei. Um 16:00 Uhr gings auf die Autobahn und um 19:30 Uhr kamen wir wieder zuhause an. Müde, aber voller Enthusiasmus, das Gelernte im Training zu vertiefen.

 

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